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 Betreff des Beitrags: Transport Gefriergut
BeitragVerfasst: Fr Feb 19, 2016 11:49 pm 
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Registriert: Fr Feb 19, 2016 11:09 pm
Beiträge: 4
Ich glaube, hier kann man mir helfen!

Hintergrundinformation in Stichpunkten:

Seit 15 Jahren Hobbyurlaubsangler in Norwegen – 30 kg Fischfilets müssen gefrostet in einer Styroporkiste (6 cm Wanddicke) nach Deutschland transportiert werden – verpackt mit ca. -28 Grad soll der Fisch noch gefrostet zu Hause ankommen. Reisezeit bis zu 60 Stunden!

Folgende Situationen sind einzuschätzen:

1. Fischkiste voll, wie lange könnte das Fischfilet gefroren bleiben?
(praktische Erfahrungen im Sommer liegen bei ca. 48 Stunden)
2. Fischkiste nur halbvoll, Leerraum mit Zeitungen, Handtüchern oder ä. vollgestopft
3. Fischkiste nur halbvoll, Leerraum mit gefrosteten Steinen aufgefüllt
4. Fischkiste nur halbvoll, Leerraum mit wassergefüllten Tetrapacks (gefrostet) aufgefüllt

Was mich besonders interessiert sind insbesondere die Situationen 2 – 4, d.h. mit welchen Maßnahmen kann ich die Fischfilets am längsten gefroren transportieren?
Bitte keine Berechnungen bis zwei Stellen nach dem Komma, sondern einfach verbal einschätzen, welche Transportvariante für mich die günstigste wäre.

Vielen Dank im Voraus,
Peter aus Gutenberg


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 Betreff des Beitrags: Re: Transport Gefriergut
BeitragVerfasst: So Feb 21, 2016 10:50 am 
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Registriert: Di Mär 13, 2007 7:25 pm
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petrulla hat geschrieben:
30 kg Fischfilets müssen gefrostet in einer Styroporkiste (6 cm Wanddicke) mit ca. -28 Grad soll der Fisch noch gefrostet, 60 Stunden!
Da brauchen wir zunächst noch einige Annahmen, Peter:
a) Dichte der Fische geschätzt 500 kg/m³
b) Wärmeinhalt dieser Packung geschätzt 1,5 J/kg
c) Verpackung innen 60 Liter 40*40*40 cm³
Fläche der Verpackung A = 6*(40 cm +6 cm)² = 1,3 m²
d) Wärmeleitfähigkeit von Styropor 0,02 bis 0,04 W/(m * K)
e) Wärmeinhalt von gefrorenem Fisch geschätzt 1,5 kJ/kg

Daraus
Wärmeinhalt Q1 = 30 kg * 1,5 kJ/(kg K) *28 K = 1260 kJ
Temperaturdifferenz im Mittel ΔT = 28°/2 + 26° = 40 K
Wärmeverlustleistung ΔQ/Δt = c * ΔT * A/d =
= 0,03 W/(m * K) * 40 K * 1,3 m² / (0,06 m) = 26W = 0,026 kJ/s
Zeit bis 0°C: 13 Stunden (ohne Schmelzwärme)
Wird länger, wenn alles Eis schmelzen darf (oder wenn Du genügend Kühlelemente hast, die unter 0°C schmelzen)

Du siehst schon, das kannst Du im Prinzip vergessen, Peter, da brauchts ein Kühlaggregat für 12V

_________________
Grüße aus München, isi •≡≈ ¹₁₂½√∠∞±∫αβγδεηκλπρσφω ΔΣΦΩ


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 Betreff des Beitrags: Re: Transport Gefriergut
BeitragVerfasst: So Feb 21, 2016 11:21 pm 
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Registriert: Fr Feb 19, 2016 11:09 pm
Beiträge: 4
Hallo Isi1,
vielen Dank für deine Mühe. Ich bewundere Menschen, die solche praktischen Situationen versuchen zu analysieren, in Zahlen fassen und das Ergebnis auch noch berechnen können. Hut ab, alle Achtung!

Das Berechnungsergebnis ist natürlich von der Genauigkeit der Annahmen abhängig – und die können enorm schwanken. Nur mal ein paar Beispiele zur Info:

- feste Abmaße der Fischbox innen: 42 x 40 x 35 cm, Dicke Styropor = 6 cm, aber: passgenaue Styroporeinlage von 4 cm Dicke, falls weniger Fisch zur Verfügung steht
- Fischfilet wird in 3,5 cm flachen 1 Liter Dosen separat eingefroren, und danach in Folie eingeschweißt. Solch einzelnes Fischpaket wiegt zwischen 850 und 900 g.
- Durch Aufwölbungen beim Einfrieren sind die Pakete nicht ganz plan, sondern etwas uneben, wodurch beim Einstapeln in die Kiste kleinere Hohlräume entstehen können.
- verbleibende Hohlräume werden mit Handtüchern, gefrosteten Tetrapacks oder Steinen ausgefüllt.
- Die Kiste ist mehr oder weniger mit anderen Gepäckstücken umbaut und das gesamte Gepäck noch mit einer Isodecke bedeckt.

Du siehst Isi1, für halbwegs brauchbare Rechenansätze (aus meiner Sicht) keine reelle Chance.
Und da die Reisezeit von Jahr zu Jahr unterschiedlich lang ist und auch die zu transportierende Fischmenge schwankt, müsste man wahrscheinlich vor jeder Abreise neu berechnen und die tatsächlichen Bedingungen simulieren.
Mir wäre schon sehr geholfen, wenn du einfach verbal mal einschätzen könntest, mit welchen praktischen Möglichkeiten ich das Auftauen meiner Fischfilets hinauszögern kann. Ich dachte bisher immer, wenn ich Steine einfroste und mit -28° zu meinen Fischfilets in die Kiste packe, dann halten sich aufgrund der mindestens doppelten Masse die Minusgrade länger als wenn ich statt Steine Tetrapacks oder Kühlakkus verwende.

Und wie sieht es aus mit einer innenliegenden Alubeschichtung oder einer zusätzlichen Rettungsdecke um die Kiste von außen? Könnten diese Maßnahmen das Auftauen etwas hinauszögern?

Meine praktischen Erfahrungen haben gezeigt, dass nach etwa 50 Stunden die oberste Schicht der Fischfilets leicht angetaut ist, die darunter liegenden Filets aber noch hart sind.

Viele Grüße nach München
Peter


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 Betreff des Beitrags: Re: Transport Gefriergut
BeitragVerfasst: Mo Feb 22, 2016 10:34 am 
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Registriert: Di Mär 13, 2007 7:25 pm
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Wohnort: München
petrulla hat geschrieben:
Ich dachte bisher immer, wenn ich Steine einfroste und mit -28° zu meinen Fischfilets in die Kiste packe, dann halten sich aufgrund der mindestens doppelten Masse die Minusgrade länger als wenn ich statt Steine Tetrapacks oder Kühlakkus verwende.
Den besten Erfolg erzielst nicht mit Steinen sondern mit Flüssigkeiten, Peter. Bei Wasser liefert das Auftauen viel Energie. Hättest Du z.B. Eis mit - 160°C, dann würde das Erwärmen des Eises von -160° bis -1° genau soviel Energie liefern wie das Auftauen von -1° bis +1°.
Für Deinen Fall wirst halt Kühlakkus benötigen, deren Schmelzpunkt bei -10° oder so liegt - je nachdem, wie Deine Mindestkühltemperatur sein muss.
Aber solche elektrischen Kühlapparate für 12 Volt sind auch preiswert zu erhalten.

Zur Information: Steine haben vielleicht 0,75 kJ / (kg K), Wasser hat 4,18 und Eis etwa 2,1 kJ / (kg K),
d.h. mit Steinen des gleichen Volumens kannst etwas weniger als mit Eis kühlen.
Die Schmelzwärme von Eis ist 333 kJ / kg .... damit gehts natürlich viel besser.

_________________
Grüße aus München, isi •≡≈ ¹₁₂½√∠∞±∫αβγδεηκλπρσφω ΔΣΦΩ


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 Betreff des Beitrags: Re: Transport Gefriergut
BeitragVerfasst: Mo Feb 22, 2016 10:51 pm 
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Registriert: Fr Feb 19, 2016 11:09 pm
Beiträge: 4
Hallo isi1,

das ist krass, so deutlich hätte ich die Unterschiede nicht erwartet. Also die einfachste und kostengünstigste Variante wäre demnach die Variante mit den mit Wasser gefüllten Tetrapacks (z.B. leere Milchpackungen), sofern man nicht schon mehrere Kühlakkus sein eigen nennt. Oder einfach die Hohlräume in der Kiste mit Crasheis ausfüllen.

Ich nehme an, dass ein Auskleiden bzw. Ummanteln mit Alufolie / Rettungsdecke keine nennenswerte zusätzliche Verbesserung bringt, da nicht weiter erwähnt.

Hast mir ein ganzes Stückchen weitergeholfen. Vielen Dank noch mal

Peter


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 Betreff des Beitrags: Re: Transport Gefriergut
BeitragVerfasst: Sa Jun 03, 2017 1:25 am 
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Registriert: Fr Feb 19, 2016 11:09 pm
Beiträge: 4
Hallo Physikfreunde,

bin immer noch leidenschaftlicher Angler und in diesem Zusammenhang brauche ich noch einmal eure Hilfe.
Fakten: Norwegen gestattet mir die Mitnahme eines Trophäenfisches, egal wie schwer. Der Fisch wird vor Ort bei ca. -25° eingefrostet und soll - ohne den Gefrierpunkt zu unterschreiten - im Verlaufe von 3 Tagen in der Sommersaison nach Hause transportiert werden. Wie kann ich die Trophäe am wirkungsvollsten einwickeln?
- Zeitungspapier?
- Wolldecken?
- Luftpolsterfolie?

Ich möchte zu diesem Thema einen sinnvollen Beitrag im Forum der Angelfreunde schreiben. Könnt ihr mich dabei unterstützen? Vielen Dank im voraus und allen frohe Pfingstfeiertage.

Peter


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 Betreff des Beitrags: Re: Transport Gefriergut
BeitragVerfasst: Di Jul 04, 2017 11:54 am 
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Registriert: Mi Mai 06, 2009 3:17 pm
Beiträge: 655
Zitat:
Wie kann ich die Trophäe am wirkungsvollsten einwickeln?
- Zeitungspapier?
- Wolldecken?
- Luftpolsterfolie?


Wenn du keine aktive Kühlung verwenden willst, hilft nur im möglichst großen Block einfrieren, wenn möglich außen herum weitere Kühlakkus oder zur Not Crasheis und dann möglichst gut isolieren.
Hier gilt: Viel hilft viel.

Zeitungspapier und Wolldecken isolieren nur wenig und nur so lange sie trocken bleiben. Durch Tauwasser (aufgetautes Eis) und vor allem Kondenswasser (das was man an der Bierflasche außen findet, wenn sie aus dem Kühlschrank kommt) würden sie aber schnell feucht und die Isolation ist hin.

Luftposterfolie ist schon besser, aber ich empfehle Styroporplatten.

Bei Verwendung von Crasheis halte ich es für günstig, wenn Tauwasser abfließen kann, da flüssiges Wasser ein guter Wärmeleiter ist.

Zur Isolation empfehle ich Styropor, so dick wie möglich und dicht verklebt (z.B. mit Panzerband). Damit vermeidet man Luftzirkulation. Der Abfluss von Tauwasser aus der Styroporkiste sollte aber dennoch möglich sein.

Ich stelle mir also eine große Kunststoffbox mit Deckel vor (Baumarkt, vielleicht mit Tragegriffen, ohne Löcher im Boden!), darin eine Styroporkiste mit Deckel (aus Styroporplatten aus dem Baumarkt passend für die Kunststoffbox zusammengeklebt, unten ein paar Abflusslöcher) , darin der gefrorene Block und die Styroporbox aufgefüllt mit Kühlakkus und Crasheis.

Die Kunststoffbox kann dann zusätzlich außen mit Decken abgedeckt werden und wenn nötig mit so einer gold/silbernen Rettungsdecke gegen Sonne geschützt werden.

Wichtig: Das Tauwasser vom Crasheis unterwegs immer mal aus der Kunststoffbox entfernen!
Der Eisblock sollte nicht in einer Pfütze stehen.

Wer es luxuriös mag, kann dafür einen Absaugschlauch an der Kunststoffbox anbringen.

Wie lange das ganze gut funktioniert kann nur ein Test zeigen, da das Ergebnis von sehr vielen Parametern (verwendete Materialien, Umgebungsbedingungen,...) abhängig ist.

Also dann: Weidmanns Heil..... (Achnee , das war die andere Fraktion.)

_________________
MfG. Frank


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